Im normalen Kalender fängt das Jahr am ersten Januar an. In der Kirche ist das anders. Da beginnt das Jahr immer an einem Sonntag. Er heißt erster Advent. Meistens ist das Anfang Dezember.
Besonders wichtig für das Kirchenjahr sind die Feste. Sie machen das Leben schön. Sie geben unserem Glauben Sinn. Wir freuen uns auf sie.
Im Dezember feiern wir die Geburt von Jesus. Das Fest heißt Weihnachten.
Im Frühjahr denken wir an sein Leiden. Wir nennen das Passionszeit, Leidenszeit. Sie dauert sieben Wochen.
Während dieser Zeit freuen wir uns auf Ostern, das Fest des Lebens. Jesus ist auferstanden.
Sieben Wochen später ist Pfingsten. Da feiern wir den Geburtstag der Kirche. Wir sind froh , dass Gott bei uns ist. Sein Heiliger Geist ist bei uns.
Im Herbst ist das Erntedank-Fest. Wir danken Gott, dass wir genug zu essen haben. Wir teilen, was wir haben, mit anderen Menschen. Am 31. Oktober denken wir an die Reformation. Wie Martin Luther die Kirche verändert hat. Im November denken wir besonders an unsere Toten.
Dann kommt schon wieder der Advent. Wir bereiten uns auf Weihnachten vor.
Gott kommt zu uns. Das ist gut.
ADVENT
Das Kirchenjahr beginnt im Advent. Advent heißt: Ankommen.
Wir warten darauf, dass Gott bei uns ankommt.
Wir stellen uns vor: Wir stehen am Bahnhof. Aus einem großen Zug steigen viele Menschen aus.
Aber einer kommt direkt auf uns zu. Er lächelt uns an. Und wir wissen: Er möchte zu uns.
Christen glauben: Dieser Mensch ist Jesus. Gott hat ihn in die Welt geschickt.
Das war vor 2000 Jahren. Aber das ist heute noch wichtig. Heute macht es unser Leben hell.
Deshalb zünden Christen Kerzen an. Sie haben dafür einen Adventskranz. Jeden Sonntag brennt eine Kerze mehr. Am Ende sind es vier. Dann ist der Vierte Advent.
Und bald danach ist Weihnachten.
Advent heißt: Jesus ist in die Welt gekommen.
Aber auch: Jesus kommt wieder. Darauf hoffen wir.
Advent heißt auch: Jesus kommt heute. Zum Beispiel, wenn wir Gottesdienst feiern. Das macht uns froh.
Viele schöne Lieder singen davon, dass Gott kommt: Eines ist Macht hoch die Tür. Ein anderes Lied ist Tochter Zion. Und noch ein anderes Advents-Lied heißt: Es kommt ein Schiff geladen.
Weihnachten
An Weihnachten feiern Christen ein großes Fest. Denn Gott hat seinen Sohn in die Welt geschickt. Er heißt Jesus.
Jesus bedeutet Retter. Er ist vor 2000 Jahren in einem kleinen Dorf geboren.
Das Dorf heißt Bethlehem. Das liegt heute in Israel.
Seine Mutter war Maria. Ihr Mann war Josef. Sie waren arme Leute.
Jesus wurde als Baby in eine Krippe gelegt. Daraus fressen sonst die Tiere.
Deshalb steht an Weihnachten in vielen Kirchen eine Krippe.
In vielen Gottesdiensten gibt es ein Krippenspiel. Wie in einem Theaterstück wird die Geschichte von Jesus erzählt.
Maria wickelte Jesus in Windeln. Das war alles, was sie für ihn hatte.
Auf den Feldern waren Hirten. Sie hüteten ihre Schafe.
Ein Engel hat ihnen die gute Nachricht gesagt:
Euch ist ein Retter geboren. Er heißt Jesus.
Er macht euch frei.
Darauf gab es ein wunderbares Konzert. Alle Engel lobten Gott.
Dann hat es sich schnell herumgesprochen: Dieses Kind ist ein besonderes Kind.
Die Nachricht ging um die ganze Welt. An Weihnachten hören Christen immer wieder diese Geschichte. Sie singen schöne Lieder. Vom Himmel hoch ist eines oder O du fröhliche.
Weihnachten wird an drei Tagen gefeiert. Am Heiligen Abend, am ersten Weihnachtstag und am zweiten Weihnachtstag. Zuhause gibt es Christbäume und Geschenke.
Weihnachten heißt: Gott macht uns ein großes Geschenk. Er schickt seinen Sohn. Zu allen Menschen kommt er; zu den Armen und Reichen. Diese Geschichte verändert die Welt.
Passionszeit (Leidenszeit) - Karfreitag
Christen erinnern sich in jedem Gottesdienst an Jesus. Er war ein besonderer Mensch. Und er war der Sohn von Gott. Er hat anderen Menschen von Gott erzählt. Besondere Geschichten. Mit vielen Beispielen aus der Natur. Er hat den Glauben mit einem schnell wachsenden Baum verglichen. Und den Himmel mit einem Schatz, den einer plötzlich findet. Er hat kranke Menschen gesund gemacht. Er hat sogar Tote wieder lebendig gemacht.
Aber Jesus hatte auch Feinde. Sie ärgerten sich über ihn. Deshalb machten sie einen bösen Plan. Jesus sollte sterben. Christen denken jedes Jahr an diese Geschichte: Jesus hat Böses erfahren. Jesus musste leiden. Leiden heißt auf lateinisch Passion.
Jesus hat das gespürt. Er hat seinen Freunden immer wieder gesagt: Ich muss leiden und sterben. Vorher hat er sich von seinen Jüngern verabschiedet. Das war in Jerusalem.
Sie haben zusammen gegessen und getrunken. Jesus brach das Brot auseinander. Er dankte Gott. Er teilte es aus. Dann trank er mit seinen Freunden Wein. Dabei sagte er: Das bin ich für euch. Erinnert euch an mich.
Ein Freund von Jesus hat ihn verraten. Judas hieß er. Er hat Jesus den Römern ausgeliefert. Die Römer hatten das Land besetzt. Sie hatten die Macht, Menschen mit dem Tod zu bestrafen.
Der oberste Römer in Jerusalem hieß damals Pilatus. Er hat entschieden: Jesus soll sterben. Den Tod an einem Kreuz. Das ist ein Galgen aus Holz. Mit ihm starben noch zwei Männer. Sie waren Mörder oder Räuber. Fast alle Freunde haben Jesus verlassen. Auch Petrus. Nur Johannes blieb bei ihm und seine Mutter Maria.
Jesus hatte große Schmerzen. Er hat laut zu Gott gerufen. Das alles passierte an einem Freitag. Wir nennen ihn Karfreitag, oder den traurigen Freitag. An diesem Tag war es auf der Welt sehr dunkel.
Der Himmel war schwarz, schon um drei Uhr am Nachmittag.
Christen glauben: Gott war da, als Jesus gelitten hat. Gott hat auch gelitten. Es war schrecklich. Und trotzdem war es nötig, sagt die Bibel. Jesus hat die Schuld von allen Menschen getragen.
In jeder Kirche gibt es ein Kreuz. Das Kreuz ist ein Zeichen, dass Jesus gestorben ist. Und das Zeichen, dass Gott bei allen Menschen ist, die leiden.
In der Passionszeit feiern wir viele Gottesdienste. An Gründonnerstag erinnern wir uns an das letzte Abendmahl. Wie Jesus mit seinen Jüngern gegessen und getrunken hat. An Karfreitag erinnern wir uns an seinen Tod. Wir hören die Passionsgeschichte. Wir singen Lieder. Eines heißt: O Haupt, voll Blut und Wunden (EG 85). Ein anderes Lied ist Holz auf Jesu Schulter (EG 97).
Ostern
Als Jesus tot war, haben Menschen ihn in ein Grab gelegt. Es war in einen Felsen gehauen. Ein großer Stein war davor. Zwei Tage nach seinem Tod kamen drei Frauen zum Grab. Sie wollten den toten Jesus noch einmal sehen und salben. Aber sie wurden überrascht. Der Stein war weg. Das Grab war leer. Engel waren da. Das sind Boten Gottes. Sie sagten ihnen: Jesus ist auferstanden. Jesus lebt.
Jesus hat sich dann vielen anderen Menschen gezeigt. Seinen Jüngern zuerst. Sie erkannten ihn an seiner Stimme. Oder daran, wie er das Brot gebrochen und Gott gedankt hat.
Die Geschichte von Jesus ging also weiter. Gott hat Jesus aus dem Tod gerettet. Sein Tod war der Anfang von etwas ganz Neuem.
Daran erinnern sich Christen an Ostern. Es ist das älteste und wichtigste Fest für Christen. Die Geschichten von der Auferstehung werden in allen Gottesdiensten an Ostern gelesen. Sie stehen bei allen vier Evangelisten: Sie heißen Matthäus und Markus, Lukas und Johannes.
Auch Paulus schreibt davon. Im 1. Brief an die Korinther (Kap 15)steht: Jesus ist auferstanden. Nur deshalb hat unser Glaube Sinn.
Damit ist die Zeit der Passion zu Ende. Wir wissen: Leiden und Trauer, auch Angst und Tod verschwinden. An Ostern lachen wir. Wir lachen den Tod aus und freuen uns. Wir spüren: Das Leben siegt. Gott ist stärker als der Tod.
Manchmal treffen sich die Christen schon mitten in der Nacht. Man nennt sie Osternacht. Hier haben die ersten Christen Erwachsene und Kinder getauft. Die Taufe ist ein starkes Zeichen: Gott liebt die Menschen. Trotz ihren Fehlern und Schwächen. Getauft werden mit Jesus ist wunderbar. Es ist wie sterben und wieder lebendig werden.
Ein Zeichen für das neue Leben ist die Osterkerze. Sie brennt im Gottesdienst und erinnert an Jesus. Er hat gesagt: Ich bin das Licht für die Welt. Wo ich bin, da ist es hell.
An Osten singen wir schöne Lieder: Das bekannteste ist: Christ ist erstanden (EG 99).Ein anderes Lied ist: Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100).
Himmelfahrt und Pfingsten
Jesus ist zu Gott gegangen. Weg von seinen Jüngern. Weg von der Erde. Er hat sich von ihnen verabschiedet. Auf einem Berg in Jerusalem. Der Berg heißt Ölberg. Zusammen haben sie ihn bestiegen. Dann hat Jesus die Jünger gesegnet (LINK Segen). Dann war er plötzlich verschwunden. Ganz außer Sichtweite. Sie haben gespürt. Er ist jetzt bei Gott. Bei seinem Vater im Himmel.
Deshalb feiern wir Himmelfahrt. Es ist das Fest, dass Jesus bei Gott ist. Er passt auf die Welt auf. Wir feiern: Gott ist auch unser Vater.
Bald danach ist wieder etwas Besonderes passiert. Jesus hatte seinen Jüngern gesagt: ich schicke euch einen, der euch tröstet. Er wird immer bei euch sein.
So kam es dann auch. An einem Sonntag waren viele Menschen zusammen in Jerusalem. Es gab ein großes Fest bei den Juden. Menschen aus der ganzen Welt waren da. Sie sprachen viele verschiedene Sprachen. Doch auf einmal konnten sie sich alle verstehen. Alle staunten. Petrus – das war einer von den Jüngern Jesu– fing an zu predigen. Er erzählte von Gott. Dass Gott Jesus geschickt hat. Dass er sterben musste. Und dass Jesus auferstanden ist. Dass er der Sohn von Gott ist. Dass er über die Welt herrscht.
Die Leute waren begeistert. Sie freuten sich. Sie spürten: Eine neue Kraft ist da. Ein Geist von Gott. Er macht lebendig und verbindet die Menschen. Er schenkt Glauben….
Deshalb feiern wir in der Kirche Pfingsten. Das ist 50 Tage nach Ostern; genau sieben Wochen später. Wir bitten Gott immer wieder um seinen Geist. Um Kraft, einander lieb zu haben.
An Pfingsten feiern Christen den Geburtstag der Kirche. Sie singen schöne Lieder. Eines heißt: Komm, heilger Geist, kehr bei uns ein. (EG 127)
Der wichtigste Abschnitt in der Bibel dazu steht in der Apostelgeschichte von Lukas (Kapitel 2).
Es gibt einen Pfingstsonntag und einen Pfingstmontag. Manchmal feiern evangelische und katholische Christen ihn zusammen. Sie zeigen damit: Alle Christen sind verbunden durch Gottes Geist.
Erntedank
Im Herbst feiern wir ein anderes Fest. Es ist oft am ersten Sonntag im Oktober. Wir danken Gott, dass wir genug zum Essen und Trinken haben. Wir danken ihm für Äpfel und Trauben. Wir danken ihm für das Brot.
Das Fest heißt Ernte-Dank-Fest. Im Gottesdienst sind oft die Kinder dabei. Manchmal singen die Kinder aus dem Kindergarten. Oder sie machen ein Spiel für alle.
Dazu passt eine Geschichte aus der Bibel. Sie erinnert uns: Gott hat Noah und seine Familie vor der großen Flut gerettet. Zusammen mit allen Tieren haben sie erlebt: Gott gibt uns eine neue Chance. Auch wenn Menschen böse sind. Gott hat damals den Regenbogen gemacht. Er ist ein Zeichen von Gott. Er hat versprochen: So lange die Erde steht, soll es immer weiter gehen. Samen werden gesät und Pflanzen geerntet. Es gibt heiße Zeiten und kalte Zeiten: Sommer und Winter.
Es ist ein Wunder, dass wir jeden Tag satt werden. Wir staunen, dass Gott unsere Welt bewahrt. Er passt auf uns alle auf.
Ein Lied heißt: Gott, deine Werke sind groß. Wir preisen deine Wunder.
Ein anderes Lied heißt: Gott hat die ganze Welt in seiner Hand.
Das kleine Baby und alle großen Berge und Meere.
Gott hat sie alle in seiner Hand.
Reformation
Am 31. Oktober ist ein besonderer Tag für die evangelische Kirche.
Er heißt Reformations-Tag. Der Sonntag danach ist das Reformations-Fest.
Wir denken an etwas, was vor 500 Jahren passiert ist.
Wir erinnern uns daran, was Martin Luther damals gemacht hat.
Martin Luther glaubte an Gott. Er hat viel in der Bibel gelesen.
Später hat er sie ganz in die deutsche Sprache übersetzt. Er war sicher:
Gott liebt alle Menschen. Sie tun manchmal Böses. Trotzdem liebt er sie.
Jeder kann immer wieder zu Gott kommen. Gott verzeiht uns.
Die Kirche damals hat dazu andere Dinge erzählt.
Zum Beispiel: Menschen sollen Geld bezahlen.
Dann vergibt ihnen Gott.
Das fand Luther falsch. Deshalb hat er gegen die Oberen der Kirche geredet.
Dem Papst – das ist der Oberste der katholischen Kirche - und dem Kaiser hat er widersprochen.
Er hat mit vielen anderen zusammen protestiert. Deshalb heißen Evangelische auch Protestanten.
Am 31. Oktober 1517 hat Luther 95 Sätze aufgeschrieben. Er hat sie an einer Kirchentür in Wittenberg aufgehängt. Jeder konnte sie sehen und darüber nachdenken.
Sie heißen auch 95 Thesen. Über Thesen soll man sprechen. Auch wenn man eine andere Meinung hat.
Luther wollte die Kirche verändern. Man kann auch sagen: erneuern oder verbessern. Das heißt Reformation. Daran denken wir am Reformationstag.
Der wichtigste Text für Martin Luther steht bei Paulus in seinem Brief an die Römer.
Römer 3, 21-28 (Auszüge), Epistellesung zum Reformations-Fest
Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom. Er sagt, wie Gott Menschen rettet.
Gott ist gerecht. Schon die Propheten im Alten Testament haben davon erzählt: Propheten hören Gottes Stimme. Deshalb können sie von ihm reden.
Auch Paulus sagt: Gott ist gerecht. Wer an Jesus Christus glaubt, erlebt das. Und noch mehr: Gott macht auch gerecht. Christen bekommen etwas von Gottes Gerechtigkeit. Kostenlos. Als Geschenk.
Wir sind alle Menschen. Und Menschen tun immer wieder Böses. So sind wir, das gehört zu uns.
Deshalb nennt man uns „Sünder“. Wir werden schuldig. Aber Gott ist trotzdem gut zu uns.
Er ist großzügig. Er nimmt die Schuld weg von uns. Das meint Paulus, wenn er sagt: Gott macht euch gerecht.
Woher wissen wir das? Jesus Christus kam von Gott.
Und er musste leiden. Sein Blut ist geflossen.
Er ist grausam gestorben. Aber er wurde wieder lebendig.
So hat Gott uns gerettet. Jesus hat alles auf sich genommen.
Unsere Schuld und unser Elend. Das tut er auch weiter. Gott rettet und vergibt Schuld. Wer an Christus glaubt, dem vergibt er. Christen bekommen diesen Glauben von Gott geschenkt.
Ewigkeitssonntag
Das Kirchenjahr endet am letzten Sonntag vor dem ersten Advent.
Dieser Sonntag ist immer im November.
Man nennt ihn auch Ewigkeits-Sonntag oder Toten-Sonntag.
Denn Christen denken an ihre Verstorbenen.
Besonders an die Menschen, die im letzten Jahr gestorben sind.
Draußen ist es oft kalt und grau.
Aber Christen zünden Kerzen an.
Im Gottesdienst werden die Namen der Toten laut gelesen. Viele Familien kommen.
Manche gehen dann auch zum Friedhof.
Für Christen ist dieser Tag wichtig. Sie können traurige Menschen trösten.
Denn sie wissen: Jesus ist auferstanden. Jesus lebt. Gott ist stärker als der Tod.
Gott schenkt neues Leben. Er wird die Welt ganz neumachen.
Deshalb ist dieser Tag doppelt wichtig:
Wir erinnern uns an liebe Menschen, die gestorben sind.
Wir freuen uns darauf, dass wir sie bei Gott wiedersehen.